SPFH-Bericht und Dokumentation: Aufbau, Beispiel, Muster
Ein SPFH-Bericht ist nur so gut wie die Dokumentation, aus der er entsteht. In der sozialpädagogischen Familienhilfe ist das besonders anspruchsvoll: Adressat ist die ganze Familie, Termine finden in der Wohnung statt, und zwischen zwei Hausbesuchen liegt oft eine Autofahrt statt eines Schreibtischs. Dieser Beitrag zeigt, was nach jedem Hausbesuch notiert werden sollte, wie Sie Ziele für mehrere Personen dokumentieren, eine Muster-Gliederung für den Bericht ans Jugendamt und wann die Dokumentation in eine Gefährdungseinschätzung übergeht.
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Besonderheiten der SPFH-Dokumentation
Die sozialpädagogische Familienhilfe nach § 31 SGB VIII soll Familien durch intensive Betreuung und Begleitung in ihren Erziehungsaufgaben, bei der Bewältigung von Alltagsproblemen, der Lösung von Konflikten und Krisen sowie im Kontakt mit Ämtern und Institutionen unterstützen. Sie ist in der Regel auf längere Dauer angelegt und erfordert die Mitarbeit der Familie. Daraus ergeben sich drei Besonderheiten für die Dokumentation.
- Viele Beteiligte: Eltern, Kinder, manchmal Großeltern oder neue Partner – jede Person hat eigene Ziele und eine eigene Sicht.
- Wechselnde Settings: Hausbesuch, Begleitung zum Amt, Telefonat mit der Schule, Gespräch mit einem Elternteil allein.
- Lange Laufzeit: Was im ersten Monat wichtig war, muss nach einem Jahr noch auffindbar sein.
SPFH-Dokumentation: was nach jedem Hausbesuch notiert wird
Eine Minimalstruktur in sechs Feldern reicht für die meisten Kontakte. Sie lässt sich auch nach einem anstrengenden Termin im Auto in wenigen Minuten ausfüllen oder diktieren.
- Kontakt: Datum, Uhrzeit von – bis, Ort, anwesende Familienmitglieder.
- Zielbezug: Welche Hilfeplanziele waren Thema?
- Beobachtung: Was war zu sehen und zu hören – ohne Wertung, mit wörtlichen Aussagen.
- Intervention: Was hat die Fachkraft getan oder angeboten?
- Vereinbarungen: Wer macht was bis wann?
- Zeit: direkte Zeit mit der Familie, indirekte Zeit (Vor- und Nachbereitung, Telefonate), Fahrtzeit – so, wie es die Vereinbarung mit dem Jugendamt vorsieht.
Zeiten für die Fachleistungsstunde
Welche Zeiten als Fachleistungsstunde abgerechnet werden – nur direkte Kontakte, auch indirekte Zeiten, Fahrtzeiten –, regelt die Leistungs- und Entgeltvereinbarung mit dem Jugendamt. Erfassen Sie die Zeiten deshalb getrennt nach Kategorie; zusammenfassen lässt sich später immer, auseinanderrechnen nicht. Wie sich ein Stundensatz zusammensetzt, zeigt der Beitrag Fachleistungsstunde berechnen.
Ziele für die ganze Familie dokumentieren
Hilfepläne in der SPFH enthalten oft beides: Ziele für einzelne Personen („Frau K. stellt den Wohngeldantrag selbst“) und Familienziele („Die Familie isst an vier Abenden pro Woche gemeinsam“). Ordnen Sie jede Beobachtung dem Ziel zu, zu dem sie gehört – und benennen Sie die Person, um die es geht. „Familie“ als Subjekt verdeckt, wer was beigetragen hat.
Bei Geschwistern lohnt ein eigener Blick je Kind. § 36 Abs. 2 SGB VIII verlangt, der Geschwisterbeziehung bei Aufstellung und Überprüfung des Hilfeplans Rechnung zu tragen. Halten Sie fest, wie es jedem Kind geht – auch dem, das gerade „unauffällig“ ist.
| Ziel | Person | Beobachtung |
|---|---|---|
| 1 Morgenroutine | Frau S. | Drei von fünf Tagen im Wochenplan abgehakt; sagt: „Montag und Dienstag hat der Wecker nicht gereicht.“ |
| 2 Schulbesuch | Leo (7) | Laut Mitteilungsheft keine Fehltage seit dem letzten Besuch. |
| 3 Gemeinsame Zeit | Herr S., Mia (4) | Herr S. erzählt, er habe am Wochenende mit Mia den Spielplatz besucht. |
| Familienziel | alle | Gemeinsames Abendessen an zwei Abenden; Frau S. möchte drei erreichen. |
Der SPFH-Bericht ans Jugendamt: Muster-Gliederung
Vor jedem Hilfeplangespräch erwartet das Jugendamt einen Bericht, dessen Frist und Form es selbst festlegt. Für die SPFH hat sich diese Gliederung bewährt; sie lässt sich in die meisten Formulare übertragen. Ausführliche Formulierungshilfen stehen im Leitfaden zum Entwicklungsbericht.
- Familiensystem: Wer gehört zum Haushalt, wer ist für die Hilfe wichtig? Nur das Erforderliche.
- Auftrag: Hilfeart nach § 31 SGB VIII, Berichtszeitraum, bewilligter Umfang, geleistete Fachleistungsstunden.
- Verlauf: Anzahl und Art der Kontakte, Ausfälle und Gründe, wichtige Ereignisse.
- Zielerreichung je Ziel: Ausgangslage, Beobachtungen, Stand – getrennt nach Personen, wo nötig.
- Ressourcen und Belastungen der Familie.
- Sicht der Eltern und Kinder, in ihren Worten.
- Hinweise zum Kinderschutz, falls es Anhaltspunkte gab, und was daraufhin geschah.
- Fachliche Einschätzung und Empfehlung zu Fortsetzung, Umfang und Zielen.
SPFH-Bericht: Beispiel für einen Zielabschnitt
Das folgende Beispiel ist fiktiv. Es zeigt, wie ein Zielabschnitt im SPFH-Bericht aussehen kann, wenn er aus einer guten Verlaufsdokumentation entsteht – kurz, belegt und mit der Sicht der Familie.
„Ziel 1: Frau S. schafft es, dass Leo (7) an Schultagen pünktlich und mit Frühstück in die Schule geht. Ausgangslage: Laut Klassenlehrerin kam Leo im September an sechs Tagen zu spät. Verlauf: Im Oktober hat Frau S. mit der Fachkraft einen Wochenplan entwickelt, den sie selbst führt. Bei acht Hausbesuchen vor Schulbeginn war Leo sechsmal angezogen und hatte gefrühstückt. Die Klassenlehrerin meldete im November zwei Verspätungen (Telefonat 28.11.). Sicht von Frau S.: ‚Seit der Wecker früher klingelt, ist es ruhiger.‘ Stand: teilweise erreicht. Einschätzung: Die Routine trägt, wenn Herr S. Frühschicht hat und Frau S. allein ist, noch nicht zuverlässig.“
Der Abschnitt beantwortet die Fragen, die das Jugendamt stellt: Was war, was ist, woher wissen wir das, wie sieht es die Familie, wie schätzt es die Fachkraft ein? Er kommt ohne ein einziges Etikett aus. Mehr Beispiele für solche Formulierungen enthält der Beitrag Formulierungen in der Dokumentation.
Kinderschutz-Anhaltspunkte in der SPFH
Familienhelfer:innen sehen den Alltag einer Familie oft näher als jede andere Fachkraft. Werden ihnen gewichtige Anhaltspunkte für die Gefährdung eines Kindes bekannt, greift der Schutzauftrag nach § 8a SGB VIII und die Vereinbarung ihres Trägers mit dem Jugendamt: Gefährdungseinschätzung, Beratung durch eine insoweit erfahrene Fachkraft, Einbeziehung von Eltern und Kind, soweit der Schutz dadurch nicht in Frage gestellt wird.
Für die Dokumentation heißt das: Anhaltspunkte genau beschreiben (was, wann, wer hat es gesehen oder gesagt), die eigenen Schritte mit Datum festhalten und die Einschätzung klar von der Beobachtung trennen. Ab diesem Punkt folgt die Dokumentation dem Verfahren Ihres Trägers.
Unterwegs dokumentieren
Die beste Zeit für einen Verlaufseintrag ist direkt nach dem Termin – im Auto, an der Haltestelle, vor dem nächsten Hausbesuch. Nehmen Sie nie das Gespräch mit der Familie auf. Diktieren Sie stattdessen nach dem Termin, was Sie beobachtet und vereinbart haben.
In Ormisi schließen Fachkräfte einen Termin auch ohne Netz ab: Status (durchgeführt, nicht angetroffen, abgesagt), Kontaktkategorie, Dauer und Verkehrsmittel sind in unter einer Minute erfasst. Das Diktat danach wird zu einem Entwurf des Verlaufseintrags, den die Fachkraft prüft und freigibt; die Zeiten fließen in den Leistungsnachweis.
Muster-Gliederung: SPFH-Bericht ans Jugendamt
Gliederung zum Ausfüllen. Passen Sie Abschnitte und Reihenfolge an das Formular Ihres Jugendamts an.
1. Familiensystem und Auftrag
- Haushaltsmitglieder und wichtige Bezugspersonen
- Hilfeart nach § 31 SGB VIII, Berichtszeitraum
- Bewilligte und geleistete Fachleistungsstunden
2. Verlauf
- Anzahl und Art der Kontakte
- Ausfälle und Gründe
- Wichtige Ereignisse
3. Zielerreichung
- Je Ziel: Ausgangslage
- Je Ziel und Person: Beobachtungen mit Datum
- Je Ziel: erreicht / teilweise / nicht erreicht
4. Familie
- Ressourcen
- Belastungen
- Sicht der Eltern (wörtlich)
- Sicht der Kinder (altersgerecht eingeholt)
5. Einschätzung
- Hinweise zum Kinderschutz und Verlauf des Verfahrens
- Fachliche Einschätzung
- Empfehlung zu Fortsetzung, Umfang und Zielen
Vor der Abgabe
- Mit beiden Elternteilen besprochen am: ____
- Keine anvertrauten Inhalte ohne Einwilligung
- Gegengezeichnet durch Leitung am: ____
Häufige Fragen
Wie oft muss in der SPFH dokumentiert werden?
Nach jedem Kontakt mit der Familie oder mit Kooperationspartnern, zeitnah und regelmäßig – so empfiehlt es etwa das Bayerische Landesjugendamt. Bewährt hat sich die Regel: am selben Tag, spätestens am nächsten Arbeitstag. Vereinbarungen mit dem Jugendamt können genauere Vorgaben machen.
Was gehört in einen SPFH-Bericht?
Auftrag und Umfang, Verlauf, Zielerreichung je Ziel und Person, Ressourcen und Belastungen der Familie, die Sicht von Eltern und Kindern, gegebenenfalls Hinweise zum Kinderschutz sowie eine begründete Empfehlung. Form und Frist legt das Jugendamt fest.
Wird die Fahrtzeit in der SPFH dokumentiert?
Ja, getrennt von der direkten Zeit mit der Familie. Ob und wie Fahrtzeit vergütet wird – als Teil der Fachleistungsstunde, gesondert oder im Stundensatz einkalkuliert –, regelt die Vereinbarung mit dem Jugendamt. Getrennt erfasste Zeiten lassen sich jeder Regel anpassen.
Wie dokumentiere ich, wenn ein Termin ausfällt?
Sachlich und ohne Wertung: Wer hat wann abgesagt, mit welcher Begründung, oder war bei einem unangekündigten Ausfall niemand anzutreffen? Notieren Sie, was stattdessen vereinbart wurde. Ob ein Ausfall abgerechnet werden kann, regelt allein die Vereinbarung mit dem Jugendamt.
Quellen
Primärquellen, abgerufen zum Stand des Artikels. Keine Rechtsberatung.
- [1]§ 31 SGB VIII – Sozialpädagogische Familienhilfe · Bundesministerium der Justiz
- [2]Fachliche Empfehlungen für Fachkräfte der Sozialpädagogischen Familienhilfe (SPFH) gemäß § 31 SGB VIII (2014) · Bayerisches Landesjugendamt
- [3]§ 36 SGB VIII – Mitwirkung, Hilfeplan · Bundesministerium der Justiz
- [4]§ 8a SGB VIII – Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung · Bundesministerium der Justiz
- [5]Sozialpädagogische Familienhilfe · betanet (beta Institut)
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